Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie

Geschichte

Das Labor für molekulare Biowissenschaften (LMB) ist als zentrale Einrichtung aus dem ZBM (Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie) hervorgegangen. In diesem zentralen Gerätelabor werden Großgeräte für molekularbiologische und proteinchemische Untersuchungen allen Wissenschaftlern der Kieler Universität, den Forschungseinrichtungen des Bundes und des Landes sowie den Firmen des Umlandes zugänglich gemacht. Das ZBM wurde 2013 in BiMo umbenannt, um Verwechslungen mit dem ZMB zu vermeiden.

Die Geräte des BiMo/LMB stehen seit der Eröffnung des Gerätelabors am 6. Februar 2001 durch die Ministerin Frau Erdsiek-Rave für die biochemisch/molekularbiologische Forschung in Schleswig-Holstein bereit. Am Beginn standen genetische Analysen im Vordergrund, die Ausweitung auf die Strukturanalyse unter dem neuen Direktor trägt der wachsenden Bedeutung von Genomics und Proteomics Rechnung.

Am Anfang der Entwicklung zum BiMo (ehemals ZBM) stand die Lehre: In der Erwartung, dass die Lebenswissenschaften der wissenschaftliche Motor im ausgehenden 20. Jahrhundert und im kommenden 21. Jahrhundert sein werden, hatte Prof. Dr. R. Schauer, ehemaliger Direktor des Biochemischen Institutes der Medizinischen Fakultät, seit 20 Jahren für solch einen Studiengang im Rahmen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät gekämpft. Mit dem Aufblühen molekularbiologischer Forschung kam schließlich Unterstützung durch neue Arbeitsgruppen in Biologie und Chemie, insbesondere durch die Professoren Soll (Botanik), Lüning (Organische Chemie) und Clement (Pharmazie). Die Math. Nat. Dekane Prof. Bähr und Prof. König sowie Prof. Albers als Dekan der Medizinischen Fakultät setzten sich dafür ein, dass der im WS 1998/99 mit 15 Studierenden begonnene Studiengang „Biochemie/Molekularbiologie“ als Einrichtung zweier Fakultäten mit großem Engagement von der Mathematisch-Naturwissenschaftlischen und der Medizinischen Fakultät getragen wurde.

Der aktuelle Anlass für die Gründung des ZBMs ergab sich zu Beginn des Jahres 2000: Den für das neue Biochemie-Praktikum beschafften Geräten im Werte von 500 TDM musste eine Heimat in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät gegeben werden. Die ad hoc Lösung, die Arbeitsgruppe Biophysik der ehemaligen Angewandten Physik (die AG des ersten Direktors des ZBMs, Prof. Hansen) in ZBM umzubenennen und dort die Geräte zu inventarisieren, öffnete den Weg, der zur zweiten Aufgabe des ZBMs führte, die Bereitstellung eines molekularbiologischen Service-Zentrums.

Initiatoren des zweiten Weges zum ZBM waren die Professoren Jung (Pflanzenzüchtung, Genomanalyse, www.plantbreeding.uni-kiel.de) und Bosch (Zoologie, Entwicklungsphysiologie). In der Arbeitsgruppe Jung erforderten die Untersuchungen an den Genomen von Zuckerrübe, Spargel und Raps im Rahmen von DFG-, BMBF-, EU-geförderten Projekten und Kooperationen mit Firmen dringend den Einsatz von Hochdurchsatz- (High Throughput)- Technologien. Die dort durchgeführten Projekte befassen sich mit der genetischen Kartierung und Klonierung von züchterisch wichtigen Genen aus Nutzpflanzen. Die Projekte sind Teil des nationalen Pflanzengenomprogramms GABI (Genomanalyse im Biologischen System Pflanze, www.gabi.de).
Großer Bedarf an automatisierter Probenbearbeitung besteht auch im Zoologischen Institut (Prof. Bosch) bei entwicklungs- und evolutionsbiologischen Fragen. Im Rahmen von mehreren DFG-Forschungsprojekten werden an einfachen Organismen wie dem Süßwasserpolypen Hydra die Grundmechanismen entschlüsselt, die für die Entwicklung der Körperachsen der Tiere und der verschiedenen Zelltypen notwendig sind.

Die schnelle Umsetzung der ersten Denkanstösse vom Januar 2000 in eine funktionsfähige Einheit bereits im Februar 2001 bezog ihre Dynamik aus verschiedenen Quellen. Es trat wieder auf, was bereits beim neuen Studiengang „Biochemie/Molekularbiologie“ (BCM) eine der beeindruckendsten Erfahrungen war: eine fächer- und fakultätsübergreifende Kooperation aller molekularbiologisch arbeitenden Arbeitsgruppen der CAU. Hierbei wurde wieder die besondere Flexibilität und Leistungsfähigkeit einer nicht kommerziell orientierten Universität sichtbar, in der die Motivation für Zusatzbelastungen von der Einsicht in die wissenschaftliche Notwendigkeit und nicht von finanziellen Interessen ausgeht. Beim Studiengang konnte nur durch die Bereitschaft zur Mehrarbeit bei der Aufnahme von zusätzlichen BCM-Studierenden oder bei der Schaffung neuer Veranstaltungen das Grundstudium fast kostenneutral aufgebaut werden. Daran beteiligten sich Organische, Anorganische und Physikalische Chemie, Physik, Botanik, Zoologie und Mikrobiologie in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und insbesondere die Biochemie in der Medizinischen Fakultät. Im Hauptstudium übernahmen zusätzlich insbesondere die Pharmazie, aber auch klinische Institute wie z.B. die Immunologie, Humangenetik und Medizinische Mikrobiologie wichtige Aufgaben. Sogar eine auswärtige Forschungseinrichtung wie das FZ Borstel lieferte Lehrkapazität, um anspruchsvolle Praktika in Mikrobiologie und Immunologie zu verwirklichen.
Beim ZBM war es die Bereitschaft von insgesamt 12 Arbeitsgruppen, im Schnitt ca. 20 TDM in den Aufbau des ZBMs zu investieren, damit der letzte Teil der Gesamtsumme der ersten Ausbaustufe von 1,6 MDM aufgebracht werden konnte. Auch externe Gruppen vom Forschungszentrum in Borstel und von der Bundesforschungsanstalt für Milchforschung in Kiel beteiligten sich daran. Ein starker Promoter für den Aufbau des ZBMs war ebenfalls die sehr pragmatische Unterstützung durch das Kieler Rektorat und seinem damaligen Kanzler Dr. Richter.

Das Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie (ZBM) ist auch weiterhin für die Planung und Organisation des Studiengangs ‚Biochemie und Molekularbiologie’ (BCM) zuständig. Aktuell wird die Überführung des Diplomstudiengangs in die konsekutiven Bachelor- und Masterstudiengänge und deren Akkreditierung durchgeführt.

Das Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie (ZBM) war die Keimzelle für die Initiative, die gemeinsame Forschung durch ein neues Gebäude zu unterstützen. Das zentrale Gerätelabor wird als LMB diesem neuen Zentrum, dem Zentrum für molekulare Biowissenschaften (ZMB) eingegliedert.

Das Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie war am 5. Oktober 2006 der Schauplatz der Aktion „365 Orte im Land der Ideen 2006“ mit der die Christian-Albrechts-Universität (CAU) als einer von 365 Orten im „Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde (weitere Informationen unter: www.land-der-ideen.de). Das ZBM darf sich somit als ein ‚Ort der Ideen 2006’ verstehen, an dem sich viele Wissenschafter der Universität und der näheren Umgebung treffen, um „ideenreich, zukunftsfähig, engagiert“ (Zitat aus der Laudatio von Rektor Prof. Thomas Bauer) zu forschen. So wird der Gerätepark des ZBM beispielhaft im Rahmen des von Prof. Jens-Michael Schröder geleiteten Sonderforschungsbereich „Molekulare Mechanismen der epithelialen Abwehr“ von Medizinern, Agrarwissenschaftlern, Zoologen und Molekularbiologen tagtäglich intensiv genutzt (siehe auch Artikel in den Kieler Nachrichten vom 22.03.2006).